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Vorurteile und was die anderen von uns denken …

Was die anderen von uns denken … spannendes Thema… die einen sagen “was die anderen von dir denken ist non of your business” – an sich ein guter Punkt, zumindest, wenn man authentisch bleiben möchte.

Die Sache hat jedoch einen Haken. Und zwar keinen ganz kleinen, sondern einen mittelgroßen Haken. Nämlich, was andere von uns denken ist irgendwie doch unser business.

Der erste Eindruck…

… zählt nämlich. Unfair? Vielleicht. Aber ein Fakt.

Menschen bilden sich eine Meinung über uns, wenn sie uns das erste mal sehen. Da es eine Meinung ist, ist diese natürlich nicht objektiv, sondern pur subjektiv. Das heißt, da fließen unsere Prägungen mit ein, unsere Erfahrungen bspw. mit Leuten, an die wir diese Person erinnern, unser Wertsystem und was wir für richtig, normal oder attraktiv etc. halten… also eine ganze Menge Faktoren, die den ersten Eindruck beeinflussen.

Interessant dabei ist auch, dass dieser erste Eindruck eben primär optisch ist. Also es zählt weder was wir im Köpfchen haben, noch wie gewählt wir uns ausdrücken können, sondern wie wir aussehen.

So, was machen wir also nun mit diesem Fakt?

Nun ja, wir können es nutzen oder uns darüber ärgern.

Wie wollen wir von anderen wahrgenommen werden?

Zum einen können wir natürlich durch unsere Wahl der Kleidung, Makeup, sichtbare Body Modifications etc. natürlich beeinflussen (zumindest grob), wie wir von anderen gesehen werden wollen. Einfaches Beispiel: Sind Sie mal in einen beliebigen hochpreisigen Retailer gegangen in Jogginghose und Schlabberpulli? Wie wurden Sie da behandelt? Vermutlich anders, als wenn Sie beim nächsten Mal in Businessdress oder Anzug dort aufgelaufen sind.

Natürlich ist es nicht immer so banal und als guter Verkäufer sollte man auch gelernt haben, dass wir andere Menschen nicht nach dem Aussehen beurteilen (dazu aber gleich mehr).

Manchmal denken wir vielleicht auch gar nicht so weit darüber nach bzw. sind uns über gewisse Stigmata nicht bewusst. Manche Menschen haben auch einfach sehr extreme Einstellungen gegenüber “Andersartigkeit”.

Da lässt sich dann nicht unbedingt auf den ersten Blick etwas dagegen machen aber damit zu spielen kann unter Umständen auch mal zu ganz interessanten Wendungen führen.

zu Bankzeiten ....

Zu Bankzeiten ….

Ich gebe Ihnen gerne ein persönliches Beispiel, was mir passiert ist. Wie Sie vielleicht wissen komme ich aus dem Bankbereich. Und ich war optisch immer durchaus sehr angepasst. Angepasst im Sinne von dezentem Makeup, schicke Businesskleidung (natürlich nicht zu schick, um keinerlei Hierarchieprobleme zu erzeugen… Sie kennen das vielleicht), dezenter Schmuck – keine Tattoos, keine Piercings, nicht zu viele Ohrstecker, sondern lieber mal ne Perlenkette und nude Nagellack.

Das ist also das Bild, wie mich die meisten meiner ehemaligen Kollegen, Chefs und Kunden kennen – rein optisch. Forward 5 Jahre später lebe ich in London, einer der wohl tolerantesten und “flippigsten” Städte der Welt. Ich trage einen Nasenring, bin tätowiert… interessiert hier wenige. Sie glauben allerdings gar nicht, was für einen Gegenwind ich über Xing & Co. bekommen habe. “Sie können niemals High Professional sein, wenn Sie einen Nasenring tragen” etc. – ich habe eine ganze Reihe an Kommentaren erhalten. Sogar als Braut.

... ein paar Looks "danach"

… ein paar Looks “danach”

Egal, wie sehr ich mich über die Jahre verändert habe, eins ist geblieben: ich trage bei Terminen etc. immer noch gerne Businesskleidung. Warum? Weil ich es mag! Ich trage auch gerne bunte Boots aber genauso gerne trage ich auch elegante Businesskleidung. Dazu habe ich noch einen Masterabschluss, einen Banking Hintergrund, spreche bilingual 2 Sprachen und führe meine eigene Firma. Sie glauben gar nicht zu was für Verwirrung das manchmal führt. Menschen haben keine Ahnung, was sie von mir halten sollen. Ein Bekannter sagte, nachdem wir uns ein gutes Jahr nun kennen. “Mensch, ich wusste am Anfang echt nicht, was ich von dir halten soll und ob ich denke, dass du was auf dem Kasten hast oder nicht. Du wirkst super professionell aber einen Nasenring tragen eigentlich nur Menschen mit engstirnigem Mindset aber du bist total weltoffen, reist viel und führst ein internationales Business.”

Ich hoffe, dass diese kleine Geschichte aus meinem Alltag Ihnen vielleicht einen kleinen Denkanstoss gegeben hat oder Sie zumindest zum schmunzeln gebracht hat. Jedenfalls führt sie uns zum nächsten Punkt. Nämlich hierzu:

Wie nehmen wir andere wahr?

Ja, auch wir machen uns einen ersten Eindruck, innerhalb der Geschwindigkeit eines Augenzwinkerns (Blink ist übrigens ein gutes Buch zu dem Thema..) .

Ich denke auch nicht, dass es Sinn macht uns einzureden, dass wir keine Vorurteile haben. Haben wir natürlich. Haben wir alle. Für wesentlich essentieller halte ich jedoch, dass wir uns unserer Vorurteile bewusst werden! Insbesondere, wenn wir Führungskräfte, Personaler oder Verkäufer sind. Sind wir uns nämlich dessen bewusst, können wir proaktiv darauf achten, ob wir gerade jemanden ungerecht vorverurteilen.

Warum das sinnvoll ist? Nun ja, das hat viele Vorurteile, da uns meistens jedoch “whats in it for me” interessiert gebe ich Ihnen hier mal ein paar egoistische Beispiele:

Für Vertriebler: Sie lassen sich einen potentiellen Sale nicht entgehen, nur weil jemand Ihrer Meinung nicht adäquat gekleidet ist. Steve Jobs, Mark Zuckerberg & Co. haben es salonfähig gemacht im gleichen T-Shirt und Jeans rumzulaufen. Nicht unbedingt der Kleidungsstil “ich habe das Geld und zeige es allen” aber mit definitiver, potentieller Kaufkraft.

Für Führungskräfte: Sie haben einen (neuen) Mitarbeiter und dieser ist beim ersten Eindruck durch’s Raster gefallen oder ist sehr anders als Sie, Ihnen wäre jemand von Ihrem Schlag weitaus lieber .. nun müssen sie aber mit dieser Mitarbeiterin / diesem Mitarbeiter auskommen und sie / ihn idealerweise typengerecht führen und inspirieren, motivieren. Das dürfte Ihnen vielleicht in einem solchen Fall nicht unbedingt die größte Freude bereiten. Wenn Sie sich aber bewusst sind, warum Sie diesem Mitarbeiter ggf. vorurteilsbehaftet gegenüberstehen und was dies auslöst haben Sie die Möglichkeit die Leistungen Ihres Mitarbeiters etwas objektiver zu betrachten.

Für Personaler: Stellen Sie sich bitte einmal vor Sie haben eine anonyme Bewerbung erhalten – absolute Traumunterlagen: alle Qualifikationen erfüllt, relevante Berufserfahrung, motiviert und die Werte passen auch zu Ihrem Hause. Dann das erste Interview und dieser Mensch passt überhaupt nicht ins Raster – aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht ist der Kandidat / die Kandidatin ganz banal stark tätowiert und sichtbar gepierct und das verbietet ihr dress code. Was machen Sie denn nun, wenn der Kandidat / die Kandidatin sich weigert sich anzupassen?  Vielleicht entlassen Sie sich dadurch einen guten, potentiellen Diamanten für Ihre Firma entgehen.

Und ja, das Standardargument in diesen Fällen ist “wir sind offen, uns macht das nix aus, aber unseren Kunden”.

Nun ja, das möchte ich an dieser Stelle gerne im Raum stehen lassen und freue mich über Denkanstöße zu diesem Thema von Ihrer Seite. Oder vielleicht möchten Sie ja auch teilen, wie Sie mit Vorurteilen umgehen.

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